Sehr geehrte Frau Kollegin,
sehr geehrter Herr Kollege!
Am 14. März 2026 fand im Billrothhaus der Gesellschaft der Ärzte in Wien der sehr erfolgreiche und gut besuchte 3. Tag der Venerologie 2026 - "Let´s talk about sex" der Österreichischen Gesellschaft für STD und dermatologische Mikrobiologie statt.
Wir möchten Ihnen eine Zusammenfassung des interessanten Vortrags von Univ. Doz. Dr. Birgit Sadoghi der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie der Medizinischen Universität Graz im Newsletter übermitteln und auch die Daten der Pilzambulatorien zum Vergleich darstellen.
Superbugs Neisseria gonorrhoeae und Mycoplasma genitalium – wachsende therapeutische Herausforderungen durch antimikrobielle Resistenzen
Priv. Doz. Dr. Birgit Sadoghi,
Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie, Medizinische Universität Graz
Sexuell übertragbare Infektionen (STI) nehmen weltweit zu. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die zunehmende Entwicklung antimikrobieller Resistenzen bei Neisseria gonorrhoeae und Mycoplasma genitalium dar.
Diese Entwicklung schränkt die therapeutischen Optionen zunehmend ein und erschwert die effektive Behandlung dieser Infektionen.
Neisseria gonorrhoeae
Bei Neisseria gonorrhoeae wurden in den vergangenen Jahrzehnten weltweit hohe Resistenzraten gegenüber früher häufig eingesetzten Antibiotika wie Penicillinen, Tetrazyklinen und Fluorchinolonen beschrieben. Besonders besorgniserregend ist die zunehmende Resistenz gegenüber dem Makrolidantibiotikum Azithromycin, weshalb dieses nicht mehr als Standardtherapie empfohlen wird.
Die derzeit empfohlene Erstlinientherapie der Gonorrhoe besteht in der Einmalgabe von Ceftriaxon, wobei die Resistenzen in Europa bislang sehr niedrig sind. Ceftriaxon-resistente Stämme wurden bisher vor allem im asiatisch-pazifischen Raum beobachtet.
Vor dem Hintergrund der steigenden Resistenzentwicklung wurden neue antimikrobielle Substanzen klinisch geprüft. Gepotidacin und Zoliflodacin, wurden kürzlich in den USA von der FDA zur Therapie der unkomplizierten urogenitalen Gonorrhoe zugelassen.
Mycoplasma genitalium
Mycoplasma genitalium weist aufgrund seiner fehlenden Zellwand bereits eine natürliche Resistenz gegenüber Betalaktamantibiotika auf, wodurch die therapeutischen Möglichkeiten grundsätzlich eingeschränkt sind.
Zudem ist aufgrund der biologischen Eigenschaften des Erregers eine Kultivierung kaum möglich, weshalb die klassische phänotypische Resistenzbestimmung mittels minimaler Hemmkonzentration nicht durchgeführt werden kann.
Mycoplasma genitalium zeigt weltweit zunehmende Resistenzen gegenüber Makroliden, insbesondere Azithromycin. Zusätzlich werden zunehmende Fluorchinolonresistenzen beobachtet. Auch duale Resistenzen gegenüber beiden Antibiotikaklassen werden inzwischen regelmäßig beschrieben und machen teilweise den Einsatz von Reserveantibiotika erforderlich. Aufgrund der weltweit hohen Makrolid- und Fluorchinolon-Resistenzraten sollte grundsätzlich, sofern verfügbar, eine resistenzgesteuerte Therapie erfolgen.
Die aktuelle Empfehlung zur Therapie der symptomatischen Mycoplasma genitalium-Urethritis besteht in einer sequenziellen Behandlung mit Doxycyclin, gefolgt von Azithromycin (bei Makrolid-Sensitivität) oder Moxifloxacin (bei Makrolid-Resistenz), wobei die Auswahl des Folgeantibiotikums idealerweise auf einer molekularen Resistenzanalyse basiert.
Die Pilzambulatorien bieten die Resistenztestung auf beide in den Leitlinien empfohlenen Antibiotika (Azithromycin und Moxifloxacin) kostenlos an.
Wie stellt sich die Resistenzsituation der diagnostizierten Superbugs in den Wiener Pilzambulatorien dar?
Univ. Prof. Dr. Angelika Stary, Pilzambulatorien Wien
Univ. Prof. Dr. Georg Stary, Universitätsklinik für Dermatologie, Medizinische Universität Wien
Neisseria gonorrhoeae
In den Pilzambulatorien erfolgt die Diagnostik einer Infektion mit N. gonorrhoeae sowohl mittels hochspezifischer DNA-Nachweisverfahren als auch mittels Kultur auf sensitiven Nährböden, die eine Resistenzbestimmung auf alle empfohlenen Antibiotika ermöglicht. In der Abbildung werden die Resistenzverläufe der einzelnen Antibiotika seit 2015 dargestellt. Auffallend ist die zunächst hohe Resistenz auf Cefixim, die in den letzten Jahren abgenommen hat und durch eine zunehmende Resistenz auf Azithromycin abgelöst wurde. Eine Infektion mit einem multiresistenten Keim auch auf das weltweit empfohlene Antibiotikum Ceftriaxon wurde in unserem Patientenkollektiv bei 2 Patienten nach Aufenthalt im asiatischen Raum nachgewiesen.

Mycoplasma genitalium
In den Pilzambulatorien wird die Resistenztestung bei einer nachgewiesenen M. genitalium-Infektion kostenfrei mittels molekularbiologischer Verfahren auf Azithromycin und Moxifloxacin angeboten. Hierfür werden Patienten mit einem positiven Befund von M. genitalium zu einer neuerlichen kostenlosen Abnahme eingeladen.
Die Resistenz auf Azithromyzin erreichte im Jahr 2024 und 2025 bereits den hohen Wert von 79%, nahezu die Hälfte dieser untersuchten Proben wiesen eine Doppelresistenz auch auf Moxifloxacin auf.
Die Resistenz auf Moxifloxacin lag mit 45% etwas niedriger, ein Großteil dieser Isolate (82%) waren allerdings auch auf Azithromycin resistent. Diese im Pilzambulatorium erhobenen Daten der Resistenzbestimmung sind wichtig für die weitere Therapieentscheidung (siehe www.pilzambulatorium.at).


Falls Sie Rückfragen zu spezifischen Befundkonstellationen und Resistenzmuster Ihrer Patient:innen haben, können Sie gerne mit uns in Kontakt treten.
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Im Namen der Pilzambulatorien bedanke ich mich für die erfolgreiche Ausrichtung des Symposiums „Tag der Venerologie“ bei der ÖGSTD und im Speziellen bei Frau Priv. Doz. Dr. Birgit Sadoghi (Medizinsiche Universität Graz) für die Zusammenfassung der wichtigsten Resistenzentwicklungen.
Mein Dank gilt auch den Mitarbeiterinnen der Pilzambulatorien für die Zusammenstellung der Datenlage in unserem Patientenkollektiv.
Mit kollegialen Grüßen
Univ.-Prof. Dr. Angelika Stary
Pilzambulatorien Wien
