Die Schlingenexzision (Loop Electrosurgical Excision Procedure, LEEP) gilt als Goldstandard in der Behandlung hochgradiger zervikaler intraepithelialer Neoplasien (CIN 2–3); dennoch besteht weiterhin ein relevantes Rezidivrisiko. HPV-Impfstoffe zeigen eine hohe Wirksamkeit in der Primärprävention von CIN bei HPV-naiven Frauen. Die Evidenz zur Wirksamkeit einer adjuvanten prophylaktischen HPV-Impfung nach LEEP zur Reduktion von CIN-Rezidiven ist bislang nicht eindeutig, und bis dato lagen keine placebokontrollierten Studien vor. Ziel dieser Studie war es zu untersuchen, ob eine adjuvante HPV-Impfung nach LEEP das Risiko für das Wiederauftreten von CIN-2–3-Läsionen senken kann.

 

In einer multizentrischen, doppelblinden, placebokontrollierten, randomisierten Phase-4-Studie wurden an 16 sekundären und tertiären Krankenhäusern in den Niederlanden Frauen im Alter von
≥ 18 Jahren mit histologisch gesicherter primärer CIN 2–3 eingeschlossen, die mittels LEEP behandelt worden waren. Die Randomisierung (1:1) erfolgte webbasiert; die Teilnehmerinnen erhielten drei intramuskuläre Injektionen entweder eines nonavalenten HPV-Impfstoffs oder eines Placebos zu den Zeitpunkten Studieneinschluss, nach 2 Monaten und nach 6 Monaten. Der primäre Endpunkt war das Auftreten eines CIN-2–3-Rezidivs innerhalb von 24 Monaten. Der Behandlungseffekt wurde als relatives Risiko (RR) mit 95-%-Konfidenzintervallen in der Intention-to-treat-Population berechnet, die alle randomisierten Teilnehmerinnen umfasste, die mindestens eine Impfdosis erhalten hatten. Innerhalb von zwei Wochen nach jeder Impfung erfolgte eine telefonische Sicherheitsabfrage.

Zwischen dem 19. Dezember 2019 und dem 31. Januar 2022 wurden 840 Teilnehmerinnen rekrutiert. 29 Frauen zogen ihre Einwilligung zurück, und zwei wurden vor LEEP und Impfung wegen Nichterfüllung der Einschlusskriterien ausgeschlossen. Für 809 Teilnehmerinnen lagen Outcome-Daten vor; davon wurden 402 (50 %) der HPV-Impfgruppe und 407 (50 %) der Placebogruppe zugeordnet und bildeten die Intention-to-treat-Population. Während der 24-monatigen Nachbeobachtungszeit traten CIN-2–3-Rezidive bei 23 (6 %) von 402 geimpften Teilnehmerinnen und bei 35 (9 %) von 407 Teilnehmerinnen in der Placebogruppe auf (RR 0,67; 95-%-KI 0,40–1,11; p = 0,11). Impfstoffbedingte schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden nicht berichtet.

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen keine Überlegenheit der adjuvanten HPV-Impfung gegenüber Placebo bei Frauen, die wegen CIN 2–3 behandelt wurden. Die routinemäßige Gabe einer adjuvanten HPV-Impfung trug in dieser Population nicht zur Prävention von CIN-Rezidiven bei. Eine adjuvante HPV-Impfung nach Behandlung sollte daher derzeit ausschließlich im Rahmen klinischer Studien erfolgen, um Subgruppen zu identifizieren, die potenziell von dieser Strategie profitieren könnten.

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